| Berlin,
28. Okt 2005. Der Islamrat in Deutschland distanziert
sich von der am Sonnabend in Berlin stattfindenden Al-Quds-Demonstration.
«Ich finde, diese Demonstration ist für das Zusammenleben
nicht förderlich», sagte Islamrats-Vorsitzender
Ali Kizilkaya der Netzeitung. Dem Verband nahe stehende Muslime
würden die Demonstration meiden.
Kizilkaya wandte sich
ebenso entschieden gegen die israelfeindlichen Äußerungen
des iranischen Präsidenten. Dessen «unglückliche
Äußerung», Israel das Existenzrecht abzusprechen,
«finde ich bedenklich, um es gelinde zu sagen».
Ahmadinedschads Worte seien «nicht hinnehmbar»
und erschwerten das Zusammenleben von Muslimen und Juden.
«Das Misstrauen wird
dadurch erhöht», sagte Kizilkaya zu den Auswirkungen
auf das Verhältnis von Muslime und Juden in Deutschland.
«Es wird der Eindruck erweckt, die jüdischen Gemeinden
wären Gegner der Muslime.» Er hoffe, «dass
sich Ahmadinedschads Äußerungen nur gegen Israel
wenden, nicht gegen die Juden.»
Der Al-Quds-Marsch am Sonnabend
in Berlin sei kein geeingnetes Mittel der Auseinandersetzung,
betonte Kizilkaya. «Ich finde, die Auseinandersetzung
sollte politisch geführt werden». Der öffentliche
Protest gegen Israel schüre antisemitische Tendenzen.
Im Berliner Stadtteil Charlottenburg
wollen am Sonnabend islamistische Vereinigungen aus ganz Deutschland
für die «Befreiung Jerusalems und die Vernichtung
Israels» demonstrieren. Zu der Demonstration wird jährlich
aufgerufen, sie ist die insgesamt elfte. In Berlin nahmen
an der Aktion seit 1995 vor allem schiitische Islamisten teil.
Die Berliner Polizei stelle
sich auf rund 1500 Teilnehmer ein, sagte ein Sprecher. Mehrere
Gegendemonstrationen sind angemeldet. Die Polizei erwartet
rund 200 Teilnehmer. Ein Berliner Bündnis von Islamismus-Gegnern
verfasste einen Protestaufruf, in dem sich Parteien und Politiker
«Gemeinsam gegen politischen Islam und Antisemitismus»
wenden.
Unterzeichner sind unter
anderen die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise
Beck (Grüne), FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, der
ehemalige Grünen-Politiker Cem Özdemir sowie weitere
Bundestagsabgeordnete aus allen Fraktionen.
Den Al-Quds-Tag hatte 1979
der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini eingeführt.
Damit sollten die Gläubigen für die «Befreiung»
von Al Quds - zu Deutsch Jerusalem - demonstrieren. ...zurück
von Tilman Steffen
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